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Demenz-Wegweiser herausgebracht: DIKO macht Schluss mit dem Behörden-Dschungel

Oldenburg. Den „Wegweiser Demenz“ hat die Demenz-Informations- und Koordinationsstelle Oldenburg (DIKO) jetzt in Zusammenarbeit mit der Stadt Oldenburg herausgegeben und offiziell Oldenburgs Sozialdezernentin Frau Dagmar Sachse überreicht. Die 56 Seiten umfassende Broschüre informiert Betroffene und Interessierte umfassend und leicht verständlich über das Thema Demenz.

Über 3.500 Demenzkranke sind es allein in Oldenburg, die mit ihren Familien und Freunden die Erkrankung und ihre Folgen bewältigen müssen und im Verlauf der Krankengeschichte durch ein Wechselbad der Gefühle gehen. Genau sie sollen mit dem Wegweiser angesprochen werden. „Der Wegweiser verschafft Betroffenen einen ersten Überblick über die Beratungs- und Hilfemöglichkeiten in Oldenburg“, freut sich der Oberbürgermeister Jürgen Krogmann.

„Wir wissen aus unseren täglichen Gesprächen mit Betroffenen, dass ihnen die Hilfen oft nicht bekannt sind und sie sich vor dem Behördendschungel fürchten“, berichten Ute Richwien-Emken und Renate Gerdes von DIKO. Der „Wegweiser Demenz“ erklärt nicht nur, was sich hinter dem Begriff Demenz verbirgt, er stellt zudem alle medizinischen Einrichtungen und Fachärzte vor, die sich mit der Erkrankung auseinandersetzen und sie behandeln. Darüber hinaus enthält er alle vorhandenen Entlastungsangebote wie eine Gedächtnissprechstunde, Beratungsstellen, Bewegungsangebote, Selbsthilfeorganisationen, Wohneinrichtungen, therapeutische Versorgungsmöglichkeiten sowie kulturelle Angebote.

Außerdem kommen vier Expertinnen und Experten zu Wort, die aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Demenz-Erkrankung blicken. Dr. Thomas Brieden, Direktor der Klinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie an der Karl-Jaspers-Klinik in Bad Zwischenahn, hat täglich mit Betroffenen zu tun und weiß, „Demenz zu haben heißt nicht, dass das Leben vorbei ist.“ Er informiert über Therapiemöglichkeiten, spricht über die Gedächtnissprechstunde in seiner Klinik und über das Verhältnis zwischen an Demenz Erkrankten und Pflegenden.

Silke Reichel, Geschäftsführerin eines Oldenburger Pflegedienstes, rät Betroffenen, alle gesetzlichen Hilfen unbedingt auszuschöpfen. Sie weiß, wie es Betroffenen bei der Diagnose Demenz geht, welche Achterbahnfahrt der Gefühle sie erleben. Welche Rechte Betroffene haben und wie sie die gesetzlichen Hilfen im Alltag in Anspruch nehmen können, darüber informiert sie.

Johanna Kiy hat zehn Jahre ihren an Demenz erkrankten Mann alleine gepflegt und berichtet über diese Zeit. Sie würde es immer wieder tun. Gleichwohl verschweigt sie nicht, wie schwer diese Zeit für sie war und dass sie nach dem Tod ihres Mannes in ein tiefes Loch gefallen ist. „Ich bin jetzt auf der Suche nach meinem Lebenssinn“, sagt sie und ich wäre froh gewesen, wenn es damals schon eine Anlaufstelle wie DIKO gegeben hätte.“

Petra Zeiner betreut ehrenamtlich Demenzkranke und bekennt: „Dieses Ehrenamt tut mir richtig gut.“ Sie besucht an Demenz Erkrankte in ihren vier Wänden, entlastet deren Pflegende für ein paar Stunden und berichtet, sehr viel von den ihr Anvertrauten zu lernen. „Wir sind ja alle auf Leistung getrimmt. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, gibt es weder Zwänge noch Leistung. Da geht es nur um Lebensqualität und Spaß und genau das tut mir unglaublich gut.“

Die Broschüre ist ab 24. Januar 2019 kostenlos bei DIKO an der Alexanderstraße 189 erhältlich.

Normal leben mit Demenz - 180 Interessierte bei Veranstaltung des DemenzNetzes Oldenburg

Oldenburg. 180 Interessierte kamen zu der Veranstaltung  „Demenz – Kein Aus für das Leben“ in der Reihe „WissenSCHAFFT Gesellschaft“, zu der das DemenzNetz Oldenburg und die Demenz-Informations- und Koordinationsstellle Oldenburg (DIKO) am 14.11.2018 ins EWE Forum Alte Fleiwa eingeladen hatte.

Die Diagnose Demenz löst sowohl bei den Betroffenen als auch bei den Angehörigen und Freunden einen Schock und meistens Hilflosigkeit aus. Was ist jetzt noch möglich, fragen sie sich. „Demenz ist kein Aus für das Leben“, stellten Renate Gerdes und Ute Richwien-Emken von der Demenz-Informations- und Koordinationsstelle Oldenburg (DIKO) klar. Das bestätigten auch die unterschiedlichen Referenten, die in Kurzvorträgen über neue Erkenntnisse sowie richtige Handlungsweisen berichteten.

Über Psychosoziale Therapie bei Demenz informierte Prof. Dr. Elmar Gräßel von der Universitätsklinik Erlangen. Seit 17 Jahren erforscht er nicht-medikamentöse Therapien und hat in verschiedenen Studien herausgefunden, dass sowohl motorische, alltagspraktische und kognitive Aktivierung als auch sozialkommunikative Komponenten eine sehr positive Wirkung auf Demenzkranke haben. Es ginge darum, neuronale Reserven zu aktivieren.

Dr. Ayda Rostamzadeh von der Universitätsklinik Köln beschäftigt sich mit Früherkennung und Prävention der Alzheimer-Erkrankung. Mit Hilfe verschiedener neurologischer Test könne die Erkrankung bereits in sehr frühem Stadium diagnostiziert und frühzeitig Hilfen gegeben werden, berichtete sie. Es  komme allerdings immer wieder vor, dass Menschen in ihre Gedächtnissprechstunde kämen, die  nicht an Demenz erkrankt  aber dennoch vergesslich seien. Sie klärt dann ab, ob sich dahinter etwa eine Depression oder eine Schilddrüsenunterfunktion verbirgt, die ähnliche Symptome mit sich bringen. Übergewicht, Bluthochdruck, Inaktivität und Rauchen würden eine mögliche Demenz negativ beeinflussen ebenso wie Gefäßerkrankungen, sagte sie.

Dr. Ulrike Kehrer, Dozentin an der Katholischen Akademie Stapelfeld in Cloppenburg, musiziert erfolgreich mit demenziell Erkrankten und stellt eine hohe Zufriedenheit und erheblich weniger Aggressivität bei ihnen  fest. Die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Frauke Koppelin von der Jade Hochschule ermunterte Betroffene und ihre Angehörigen, sich gerade nicht zurückzuziehen, sondern in jeder Beziehung am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Körperliche, geistige und soziale Aktivitäten seien bei Demenz besonders wichtig. Dr. Thomas Brieden von der Karl-Jaspers-Klinik bedauerte, dass Betroffene meistens sehr spät in die ambulante Sprechstunde der KJK kämen. Demenz sei zwar nicht heilbar, aber je früher sie behandelt würde, umso größer sei die Chance auf eine gute Lebensqualität.

Heinz Botzem bestätigte das. Er pflegt seine Frau seit zehn Jahren und hob die medizinische und psychologische Betreuung der Karl-Jaspers-Klinik positiv hervor. Das habe ihm Sicherheit gegeben und die Möglichkeit, sich auch mit seiner Rolle als Pflegender auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt durch seine Selbsthilfegruppe habe er gelernt, Hilfe anzunehmen, wovon seine Frau und er täglich profitieren würden.

Demenz-Informations- und Koordinationsstelle Oldenburg (DIKO)

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